Cathédrale & Nachtwächter
Stell dir vor: Jede Nacht, seit dem Jahr 1405, steigt in dieser Stadt ein Mensch auf den Kathedralenturm und ruft die Stunden aus – in alle vier Himmelsrichtungen, von zehn Uhr abends bis zwei Uhr früh. C'est le guet! Il a sonné dix! Es ist der Wächter, es hat zehn geschlagen. Sechshundert Jahre, ohne Unterbruch – durch Reformation, Revolutionen, Weltkriege und die Erfindung der Armbanduhr hindurch. Ursprünglich war der Ruf ein Feueralarm-System: Der Wächter spähte nach Bränden, sein Ruf bewies, dass er wach war. Heute ist er der letzte seiner Art in Europa – und Lausanne denkt nicht daran, aufzuhören. Die Kathedrale selbst ist der bedeutendste gotische Bau der Schweiz; drinnen leuchtet eine Fensterrose, die das mittelalterliche Weltbild in Glas erzählt – Jahreszeiten, Elemente, Fabelwesen, das Universum in einem Kreis. Nimm dir Zeit für beides: das Bauwerk und den Gedanken, dass hier heute Nacht wieder jemand rufen wird. Danach geht es bergab – wörtlich, und zwar über die schönsten Treppen der Stadt. Vor Ort: Tagsüber: Turmaufstieg für den Stadt-See-Alpen-Blick. Nachts um 22 Uhr unten auf der Esplanade stehen und lauschen – Gänsehaut garantiert. Fotospot: Von der Esplanade über die Dächer zum See.